Ich bin traurig, weil Du gegangen bist,
aber ich bin auch dankbar, dass es Dich gab.
Ich kann meine Augen schließen und beten,
dass Du wieder kommst,
oder ich kann sie öffnen und sehen,
was Du zurückgelassen hast.
Mein Herz kann voll Kummer sein,
weil ich Dich nicht sehen kann,
oder es kann voll der Liebe sein,
die Du für mich und andere hattest.
Ich kann weinen und ganz leer sein,
oder ich kann tun, was Du von mir wolltest,
dass ich lächel, meine Augen öffne,
Liebe gebe und weitergehe...
Vor meinem eignen Tod ist mir nicht bang,
nur vor dem derer, die mir nah sind.
Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind ?
Allein im Nebel tast ich tot entlang
und lass mich willig in das Dunkel treiben.
Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.
Der weiss es wohl, dem gleiches widerfuhr;
und die es trugen, mögen mir vergeben.
Bedenkt: den eignen Tod, den stirbt man nur,
doch mit dem Tod der andern muss man leben.
(Mascha Kaleko 1907-1974)
Du bist das Flügelpaar meiner Seele,
das mich trägt über die Mauern des Alltags und die
Gräben der Angst. Im rasenden Gallop verfängt sich Sternenstaub
in deiner Mähne. Nehmt mir niemals meine Flügel !
Ich bin nicht tot - ich tausche nur die Räume. Ich leb' in Euch
und geh' durch Eure Träume.
(Michelangelo 1475-1564)
Wenn der Mensch je eine große Eroberung gemacht hat,
so ist es die, dass er sich das Pferd zum Freunde gewonnen hat.
Ein guter Reiter versteht sein Pferd wenn es mit ihm redet.
Ein hervorragender Reiter hört es sogar flüstern.
Aber ein schlechter Reiter versteht es nicht einmal, wenn sein Pferd ihn
anschreit.
Das Pferd ist Dein Spiegel.
Es schmeichelt Dir nie.
Es spiegelt Dein Temperament.
Es spiegelt auch seine Schwankungen.
Ärgere Dich nie über ein Pferd;
Du könntest Dich ebensowohl
über Deinen Spiegel ärgern !
Seht, so schwer ist die Liebe zu den Pferden; aber vielleicht hat ihnen
Gott ein kürzeres Leben bedacht,
weil sie den Himmel eher verdienen als wir.
Dass mir mein Pferd das Liebste sei,
sagst du, oh Mensch, sei Sünde.
Das Pferd blieb mir im Sturme treu,
der Mensch nicht mal im Winde.
Solange Menschen denken,
dass Pferde nicht fühlen können,
müssen Pferde fühlen,
dass Menschen nicht denken können.
Pferde:
Einem jeden, der sie reitet,
naht sein Glücksstern sich im Raum.
Leid verweht, das Leben gleitet
leicht dahin - ein schöner Traum...
Gebet eines Pferdes:
Glaube nicht, ich bin Deine Eroberung,
ich bin Dein Gefährte.
Sprich zu mir,
ich kann Dich verstehen,
Führe mich,
ich weiß zu gehorchen,
Vertraue mir,
ich werde Dein Vertrauen nie missbrauchen.
Gib mir Lasten zu tragen,
ich bin stark,
Vertrau' mir Deine Kinder an,
ich bin sanft.
Mach mich nicht zu Deinem Sklaven,
sondern zu Deinem Freund,
Du wirst keinen besseren haben.
Als der Erschaffende das Pferd erschaffen wollte, sagte er zum Winde:
"Von dir will ich ein Wesen gebaeren, das geeignet ist, meine Verehrer
zu tragen.
Dieses Wesen soll geliebt sein von allen meinen Sklaven,
es soll aber gefuerchtet sein von allen, die meinen Geboten
zuwiderhandeln."
Und er schuf das Pferd und rief ihm zu:
"Dich habe ich erschaffen ohnegleichen.
Alle Schaetze der Erde ruhen zwischen deinen Augen.
Meine Feinde sollst du treten unter deine Hufe,
meine Freunde aber sollst du tragen auf deinem Rücken,
dieser soll zugleich Sitz sein, von dem Gebete zu mir aufsteigen.
Auf der ganzen Erde sollst du gluecklich sein und vorgezogen allen
Geschoepfen dieser Erde,
denn dir gehoert die Liebe des Herrn der Schoepfung.
DU SOLLST FLIEGEN OHNE FLUEGEL,
DU SOLLST SIEGEN OHNE SCHWERT."
Wenn es soweit ist...
Bin ich dereinst gebrechlich und schwach
und quälende Pein hält ständig mich wach -
was Du dann tun musst - tu es allein.
Die letzte Schlacht wird verloren sein.
Dass Du sehr traurig bist verstehe ich wohl.
Deine Hand vor Kummer nicht zögern soll.
An diesem Tag - mehr als jemals geschehn'
muss Deine Freundschaft das Schwerste bestehn'.
Wir lebten zusammen in Jahren voll Glück.
Furcht vor dem Muss? Es gibt kein Zurück.
Du möchtest doch nicht, dass ich leide dabei.
Drum gib, wenn die Zeit kommt, bitte mich frei.
Begleite mich dahin, wohin ich gehn' muss.
Nur - bitte, bleibe bei mir bis zum Schluss.
Und halte mich fest und red mir gut zu,
bis meine Augen kommen zur Ruh.
Mit der Zeit - ich bin mir sicher - wirst Du es wissen,
es war Deine Liebe, die Du mir erwiesen.
Ein vertrauter Blick ein letztes Mal -
Du hast mich befreit von Schmerz und Qual.
Und gräme Dich nicht, wenn Du es einst bist,
der Herr dieser schweren Entscheidung ist.
Auch wenn Dein Herz um mich weint,
am Ende sind wir wieder vereint.